Politische Bildung ist im VRJD JunOst, LV Bayern e.V. eine der wichtigsten Themen. Mangelnde politische Bildung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit russischsprachigem Kulturhintergrund geht oft aus der Familie heraus, ist kulturell und historisch geprägt. Viele Menschen sind es nicht gewohnt, sich politisch oder gesellschaftlich zu engagieren und Demokratie als Ehrenamtliche mitzugestalten.

Außerdem ist die Gruppe Menschen mit russischsprachigem Kulturhintergrund durch sehr unterschiedliche politische Beteiligungsmöglichkeiten geprägt. Ein Teil erhält sehr schnell eine deutsche Staatsbürgerschaft und somit das Recht zu wählen. Kenntnisse über das politische System in Deutschland und die Wahlprogramme der Parteien sind meisten sehr gering oder gar nicht vorhanden. Ein anderer Teil lebt seit vielen Jahren in Deutschland, ohne ein Wahlrecht zu erlangen. Die fehlende Möglichkeit zu wählen führt oft zu einer Resignation, welche mit einem geringen Interesse an der Politik und (jugend)politischer Partizipation in Deutschland einhergeht.

 

Ziele unserer bildungspolitischen Angebote:

  • Eine Erhöhung der politischen Partizipation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit russischsprachigem Kulturhintergrund als wichtigstes Mittel
    ihrer Integration
  • Eine Erhöhung der Wahlbeteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen 
    mit russischsprachigem Kulturhintergrund
  • Einen Ausbau des bürgerschaftlichen Engagements bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit russischsprachigem Kulturhintergrund
  • Die Förderung eines Heimatgefühls von Jugendlichen und jungen Erwachsenen 
    mit russischsprachigem Kulturhintergrund, durch eine bessere Einbindung in gesellschaftliche Diskussionen und politische Debatten
  • Eine Auseinandersetzung mit den Wahlen von Jugendlichen und 
    jungen Erwachsenen ohne Wahlberechtigung
  • Eine Vorbereitung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund auf Wahlen

Durch politische Bildung wird nicht nur faktisches Wissen vermittelt. Menschen können dadurch auch ihr Bewusstsein für ihre Möglichkeiten der gesellschaftlichen Mitbestimmung und Mitgestaltung stärken. Darauf zielen auch unsere Projekte im Bereich politischer Bildung ab. Durch sie kommen insbesondere junge Menschen mit russischsprachigem Kulturhintergrund zusammen, lernen, tauschen sich aus, formulieren ihre Anliegen, diskutieren und werden gemeinsam aktiv.

Beispielprojekte: Projekt „Politik braucht dich“

In den Jahren 2018-2019 fand das zweijähriges Projekt Politik braucht dich statt. 2018 begann das Projekt mit dem Thema Politik Deutschlands, wo die wichtigsten Strukturen des deutschen politischen Systems betrachtet wurden: Wie funktioniert Bundestag und Bundesrat, wie findet das Gesetzgebungsprozess statt und welche Parteien gibt es in Deutschland? 

Im Jahr 2019 setzten wir das Projekt mit Fokus auf die EU-Politik fort. Im Vorfeld des „Europajahres“ 2019 bildete sich aus dem Projekt heraus eine Arbeitsgruppe „Europa“, in der Jugendliche aus verschiedenen Städten Bayerns gemeinsam ihre Ideen austauschten und weiterentwickelten. Wir sind davon überzeugt, dass Beteiligung an demokratischen Prozessen bereits mit kleinen aktiven Gruppen anfängt!

Von der Wissensvermittlung zur Beteiligung – das war das Ziel. Wichtig war uns vor diesem Hintergrund, Veranstaltungen mit stark partizipativen Elementen anzubieten: Unsere Workshops zum politischen System Deutschlands und der EU und zu den politischen Parteien in Deutschland und im EU-Parlament erfolgten daher vor allem durch Gruppenarbeit zu aktuellen Themen, durch die kreative Auseinandersetzung mit dem Gesetzgebungsprozess und durch Planspiele.

Im zweiten Projektjahr wurde der Kreis der teilnehmenden Städte und Gruppen erweitert: 2019 waren wir außer in München, Nürnberg, Augsburg und Schweinfurt auch in Bamberg und Passau vor Ort. Wir organisierten mit der Unterstützung lokaler Jugendgruppen Infoveranstaltungen über die Politik Deutschlands und der EU, deren interaktive Gestaltung das Interesse an Politik wecken sollte.

Eines der Highlights des Projekts „Politik braucht dich!“ war die Podiumsdiskussion mit Kandidat_innen für das Europaparlament – eine tolle Gelegenheit zum offenen Dialog zwischen Politiker_innen bzw. Entscheidungsträger_innen und Jugendlichen. Besonders aufregend und lehrreich waren zudem der Besuch im Bayerischen Landtag sowie unsere Reise nach Brüssel. In Brüssel konnten wir mit den Projektteilnehmenden die EU im wahrsten Sinne erleben, indem wir zentrale Institutionen der Europäischen Union sowie das Haus der Europäischen Geschichte besuchten.

Unser Projekt war ein hochspannender Versuch, junge Menschen mit Migrationshintergrund in ihrem politischen Bewusstsein und ihrer sozialen Verantwortung zu stärken. Wie erfolgreich unsere Arbeit war, zeigte sich daran, dass die Teilnehmenden uns gegenüber äußerten, dass sie mit Blick auf die 2020 in Bayern anstehenden Kommunalwahlen neben der „großen Politik“ auf Bundes- und EU-Ebene nun gerne mehr über die konkreten Mitgestaltungsoptionen an ihren Wohnorten erfahren möchten.

* Das Projekt „Politik braucht dich“ wurde von 2018 bis 2019 über das Fachprogramm Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die Jugendarbeit 
vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert.

Start des neuen Projekts „InterAction Place“

Gemeinsam entwickelten wir das Konzept für ein Projekt, das die Motivation der vergangenen Projektjahre nutzt, aber den Fokus auf eine ganz andere Aktionsebene setzt: Die Kommunalpolitik. Gerade auf kommunaler Ebene gibt es – insbesondere für junge Menschen – konkretere Mitsprachemöglichkeiten, die ganz nah am Alltag sind. „InterAction Place“ lautet der Name des im Januar 2020 angelaufenen Projekts, mit dem sich unsere Teilnehmenden noch bis 2022 (und darüber hinaus!) Gehör verschaffen wollen. Das Projekt bringt russischsprachige Menschen in Bayern, unabhängig von Alter und Herkunftsland, zusammen.

Webseite des Projekts: www.interaction-place.de