„Hand in Hand“ - deutsch-russisches Hilfsprojekt für Kinder aus Waisenhäusern und Kinderheimen

Entstehung und erste Schritte
Das Projekt „Hand in Hand“ wurde im Jahr 2015, nach einer Bekanntschaft mit dem Waisenhaus „Sozvezdie“ in Nowosibirsk (Russland), ins Leben gerufen. Damals wurde vom Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland VRJD JunOst, LV Bayern e.V. erstmals eine Reise von 15 Kindern und Jugendlichen im Alter von 8 bis 18 Jahren nach München initiiert. Aufgrund von bürokratischer Verzögerungen wurde viel Zeit und Mühe in Anspruch genommen, um die benötigten Dokumente für Teilnehmer vorzubereiten. Mittlerweile erfolgt dieser Ablauf in beschleunigter Form.

Im ersten Jahr des Projekts wurde kein klares thematisches Konzept entwickelt, da verschiedene Altersgruppen von Kindern teilnahmen und es schwierig war ein für alle gleichermaßen interessantes Programm zusammenzustellen. Im Laufe der Projektentwicklung wurde die Teilnahme verschiedener Waisenhäuser, Notunterkünfte und Heime der Region Novosibirsk möglich gemacht, wobei eine Altersgrenze von 13 bis einschließlich 18 Jahren und ein thematischer Rahmen des Projekts festgelegt wurden. Es wurde beschlossen Kinder in Form eines zweistufigen Wettbewerbs auszuwählen, in welchem sie ihr Wissen und ihre Kreativität beweisen konnten. Eine detaillierte Beschreibung der Projektentwicklung finden Sie im Anhang „Entwicklungsgeschichte des Projektes Hand in Hand“.

Zielsetzung des Projekts

Ziel unseres Projektes ist es Jugendlichen, die sich in einer schwierigen Situation und ohne elterliche Fürsorge befinden, zu helfen sich im Leben zurechtzufinden, sich in die Gesellschaft zu integrieren und ein Verantwortungsgefühl für sich selbst zu entwickeln. Im Rahmen des Hilfsprojektes werden verschiedene Workshops und Schulungen angeboten, die auf Berufsorientierung, Selbstidentifikation und Selbstverwirklichung abzielen. Grundsätzlich werden die Teilnehmer Tag und Nacht von professionellen Psychologen und Pädagogen betreut. Die Teilnehmer entwickeln und fördern somit neue Fähigkeiten und Eigenschaften wie Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und kreatives Denken, stärken das Verantwortungsgefühl und die Kommunikationsfähigkeit. Zu diesem Prozess tragen die Kommunikation mit Gleichaltrigen, Mitgliedern unseres Jugendclubs in München, sowie die Unterstützung von Erwachsenen, ehrenamtlichen Helfern aus Deutschland bei. 

Für Waisenkinder ist das eine großartige Erfahrung, die ihnen ermöglicht auf Augenhöhe zu kommunizieren, ohne sich einer „Lehrer-Schüler“ Hierarchie fügen zu müssen.

Zu einem wichtigen Punkt der Projektkonzipierung gehört das Kulturprogramm, welches sich dem Kennenlernen von Traditionen deutscher Kultur und dem Besuch von historischen Stätten widmet. Zum Ende des Projekts sind die Teilnehmer motiviert sich als Individuen weiterzuentwickeln und ihre Leistungen, beispielsweise in Form von guten Schulnoten, zu verbessern, neue Fähigkeiten und
Stärken in sich zu entdecken und zu fördern sowie neue Fremdsprachen zu erlernen. Zudem finden die Waisen und hilfebedürftigen Kinder in den freiwilligen, deutschen Helfern Vertrauensfiguren und Mentoren, sodass sich diese Beziehung gewöhnlich zu einer echten Freundschaft entwickelt und die Teilnehmer somit viele neue Bekannte und Freunde im Ausland für sich gewinnen.

Aktuelle Probleme und Herausforderungen

1. Derzeit wird das Projekt teilweise von der Stiftung Deutsch-russischer Jugendaustausch und gemeinnützigen Spenden finanziert. Auf Grund dessen sind wir in unseren Möglichkeiten eingeschränkt und müssen die Teilnehmeranzahl auf 13 Kinder und zwei Begleitpersonen beschränken. Zudem übernimmt die Stiftung keine Reisekosten. Die Organisatoren der russischen Seite begeben sich jedes Mal auf die Suche nach neuen Sponsoren, um für Tickets aufzukommen. Dieses Sponsoring erfolgt jedoch nicht auf dauerhafter Basis, weshalb die Finanzierung der Reisekosten größtenteils auf die deutsche Seite fällt.

2. Aufgrund einer fehlenden Dauerfinanzierung des Hilfsprojektes ist es nicht möglich, eine ausreichende Anzahl von Unterhaltungs- und Exkursionspunkten in das Programm aufzunehmen.

3. Zusätzlich zum eigentlichen Projekt organisieren wir Sammelaktionen und bewerkstelligen einen Versand von Kleiderspenden an Waisenhäuser und Einrichtungen der Region Nowosibirsk. Tatsache ist, dass sich Kinder in der Regel nur vorübergehend in Notunterkünften aufhalten und vom Staat nicht vorgesehen ist, diese mit Kleidung und Schuhen auszustatten. Bei der staatlichen Finanzierung von Hilfeeinrichtungen und Waisenhäusern sind diese als Grundbedürfnisse leider nicht aufgelistet, somit haben die Teilnehmer häufig nicht einmal Wechselkleidung. Aufgrund von geringer Projektfinanzierung sind wir darauf angewiesen nur eine bestimmte Anzahl von ausgewählten Kleidungsstücken zu versenden und bezahlen den Versand oft aus eigenen Mitteln.

4. Problematisch gestaltet sich auch die Unterbringung von Projektteilnehmern in München. Während des Projekts benötigen Teilnehmer nicht nur einen Schlafraum, sondern auch einen Raum zum Durchführen von Seminaren, Workshops und weiteren gemeinsamen Freizeitaktivitäten.

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